Jahresübersicht

Berichte und Fotos aus Kanada, Amerika & Mexiko

6. August 2010, 11:10 · Kommentare

Über ein Jahr hinweg sammeln sich mehr als nur ein paar Blogeinträge: 11 Berichte und 17 Fotoalben zähle ich! Da mein FSJ nun zu seinem Ende gefunden hat und ich wieder in Deutschland bin, wird hier auf meinem Blog in Bälde Ruhe einkehren – vorerst zumindest. Damit meine Berichte und damit mein Jahr in Toronto aber nicht vollkommen in Vergessenheit geraten, habe ich mich bemüht, hier ein interaktives Inhaltsverzeichnis bereitzustellen, das zum Stöbern einlädt und einen guten Überblick über mein Jahr bietet. Viel Spaß damit!

(Die Pins auf der Karte lassen sich anklicken: Toronto · Wochenendausflüge · Weihnachtsferien · Märzferien · Road Trip)

Geographisch

Toronto Montréal Algonquin Park Chicago Killarney Park Detroit Boston New York Mexico City Puerto Escondido San Cristóbal Tulum Québec City Digby's Neck Halifax Cape Breton Ottawa

Chronologisch

Grade Seven Trip

28. Juni 2010, 16:55 · Kommentare

Von den alten GVs – also den Freiwilligen ein Jahr vor uns – als Höhepunkt angekündigt und von uns herbeigesehnt war es Anfang Juni plötzlich so weit: Die Trip–Week stand vor der Tür, eine Woche lang sollte die Schule wie verlassen wirken. Von der dritten bis zur achten Klasse entflohen alle Schüler mit ein paar Eltern und Lehrern dem stressigen Stadtleben – die einen auf eine Kanutour am French River, die anderen auf eine Farm im Nirgendwo und die nächsten auf ein Cottage (Ferienhaus) am Lake of Bays. Ich hatte das Glück, als Begleiter mit letzteren zu reisen – der siebten Klasse.

Lake of Bays


Die vier Tage sollten zu einer willkommenen Alltagsabwechslung werden. Statt Justus und Jonas rund um die Uhr um mich herum zu haben, war ich inmitten von frisch gebackenen Teenagern, der Klassenlehrerin und einer Handvoll Väter. Und genau in diese Mitte habe ich gut gepasst! Erstere konnte ich auf dem Trampolin und an der Tischtennisplatte begeistern, zweitere hat mich zu einer Runde Euchre nach der anderen herausgefordert und mit letzteren genoss ich die spätabendlichen Männerrunden bei Bier & Tequila.

So abwechslungsreich wie die Leute waren auch die Spielzeuge. In den beiden Bootshäusern, die sich auf dem Familiencottage über Generationen hinweg gefüllt haben, konnte ich eines nach dem anderen ausprobieren: Glasfaserkajaks, Spielboote, aufblasbare Kanus und sogar ein Segelboot. Ok, zugegeben – eines, auf dem auch die Schüler keine Probleme hatten, denn viel falsch machen konnte man auf dem Hobie Trimaran nicht – durch zwei Pontons stabilisiert wird umkippen nämlich zu einem Ding der Unmöglichkeit. Neben Planschereien auf dem See gehörte aber auch eine längere Flussfahrt mit den Booten zu unserem Programm, die vor allem dank der Stromschnellen gen Ende zum echten Highlight wurde. Auch wenn die Trip–Week nur drei Nächte umfasste, sie war eine der schönsten Wochen während der Schulzeit!

Killarney Park Canoeing Trip

4. Juni 2010, 16:23 · Kommentare

Hatten wir nach Mexiko und Chicago doch gerade erst wieder ein paar entspannende Wochen Alltag in Toronto, so stand mit dem viertägigen Victoria Day Weekend nun urplötzlich die Gelegenheit vor der Tür, ein letztes Mal in das Hinterland Ontarios hineinzuschnuppern. Vergangenen Herbst und Winter konnten mich die weiten Seenlandschaften des Algonquin Parks so in ihren Bann schlagen, dass ich mich wie ein kleines Kind darauf gefreut habe, die Wildnis nun auch einmal in ihrem Sommergewand kennenzulernen. Doch zeigen lassen wollten wir uns das dieses Mal nicht vom Algonquin Park, sondern von seinem kleinen, wilderen Bruder: dem Killarney Park am Georgian Bay.

Bell LakeGranitgipfelFraktalsilhouette


Mit einem mit Campingausrüstung vollgepacktem Auto ging es am Freitagmorgen zu unmenschlich früher Stunde für uns drei GVs und die beiden Mädchen im Schlepptau (Sonja und eine Freundin von Jonas, die zu Besuch aus Deutschland da war) auf die sechsstündige Fahrt nach Norden. Angekommen mussten wir nur noch schnell zwei Kanus ausleihen und schon konnten wir in die Freiheit der Natur eintauchen. Und frei waren wir! Ohne Zeitgefühl aber mit untrüglichem Orientierungssinn navigierten wir durch die ruhigen Gewässer, an grünenden Wäldern und blankem Granitfels vorbei. Die Route, die wir ebenso wie die Ausrüstung von unserem Lehrerkollegen Mr. T mitbekommen haben, erlaubte uns dabei ein gemütliches Paddeltempo und dennoch frühes Ankommen an den zuvor ausgesuchten Campsites. So standen die Zelte ausnahmsweise schon vor der Dämmerung und die Abendessen konnten wir sogar noch im Hellen verputzen. Die Sommersonne wärmte und bräunte uns den ganzen Tag über, machte aber vor allem das Abkühlen in den glasklaren Seen unvergesslich. Lediglich die Moskitos und Black Flys, kleine Käfer, die Hautstückchen abreißen und vertilgen, waren uns ein Dorn im Auge, vor dem uns nicht einmal stinkendes Mückenspray bewahren konnte. So hat eben doch alles seinen Preis!

AnkunftDreimeterbaumRückkehr zum Bell Lake


Ich persönlich sollte aber noch einen erheblich teureren Preis zahlen: die Natur forderte meine Brille als Tribut ein. Gleich am ersten Tag, nachdem das Lager stand und das Essen langsam vor sich hin kochte, musste ich beim Frisbee–Spielen im Wasser einmal mehr lernen, dass Brillen lieber tauchen als schwimmen. Die starke Einschränkung meines Sehsinns machte mir anfangs richtig zu schaffen, schließlich stand Besserung erst in drei Tagen in Aussicht. Und wie sollte ich denn bitte in der Wildnis ohne voll funktionierendes Augenlicht zurechtkommen? Wie sollte ich beim Paddeln gefährliche Baumstümpfe erkennen, wie beim Wandern Stolpersteine? Im Gespräch habe ich mich mangels Blickkontakt nicht angesprochen gefühlt und beim Doppelkopf musste mir jede gespielte Karte angesagt werden…

Verzweifelt dachte ich am ersten Abend, dass dieser Kanutrip zum Tiefpunkt meines FSJs wird, wurde dann aber am nächsten Morgen von mir selbst eines Besseren belehrt: Erstaunt stellte ich fest, wie schnell man sich an Einschränkungen wie diese gewöhnt. Ich konnte zwar nicht besser sehen, aber durch die Hilfe meiner Freunde und die Kompensationsbemühungen meiner anderen Sinne wurde der Campingtrip doch zum vollen Erfolg. Selbst die Wanderung auf den „Silver Peak“, die uns mit mehr als 300 Höhenmetern steile Felsen hochkraxeln ließ, konnte ich einfach bewältigen – mit erstaunlicher Leichtigkeit sprang ich über Stock und Stein und erfreute mich daran, mich zumindest zeitweilig von der Abhängigkeit der Brille befreit zu haben.

Cloudy HikeSilver PeakEuphorierad


[Hinweis: Die Chronologie der Artikel leidet unter meiner Schreibfaulheit der letzten Wochen ein wenig. Unser Trip in den Killarney Park ist erst zwei Wochen her, wohingegen Mexiko und Chicago schon fast wieder in Vergessenheit geraten sind. Zu beiden folgen aber noch Bilder und Berichte; macht meine Muße dafür verantwortlich, dass ihr so lange warten müsst!]

« älter